Archäologische Untersuchungen in der Gubiner Stadtkirche im Jahr 2011 im Bereich der Vorhalle

Während der Aufsicht über die Erdarbeiten bezüglich des Kirchenrevitalisierungsprojektes

in Gubin und bei den Ausgrabungen im Fußbodenbereich in der Vorhalle (Vorraum im

Kirchenturm), wurden Relikte der zwei früheren sakralen Gebäude entdeckt. Es waren die

Relikte des Eingangs einer frühgotischen (14 Jh.) und einer spätromanischen Kirche

(erste Hälfte des 13. Jhs.).

 

 

 

Die sehr gut erhaltenen Fragmente des ersten Gotteshauses (14 Jh.) wurden schon in

60-70cm Tiefe, unter der derzeitigen Höhe des Bodens dieses Teils des Gebäudes aus dem

20. Jh. gefunden. Es war ein Betonausguss, 10cm dick, der Teile des früheren Fußbodens

(aus rotem Sandstein, Größe: 29x29x3,5cm) beinhaltete. Circa 55-60cm darunter wurde der

obere Fundamentteil der westlichen Hausfassade entdeckt, wie ursprünglich an Ort und Stelle,

ein wenig beschädigt, Sandsteilschwelle, Relikte eines Absatzes des Portals, sowie auch

zwei untere Türangeln, die ursprünglich in die Mitte des Gotteshauses geführt haben. Auf

der nördlichen und südlichen Seite des Eingangs waren im Erdgeschoss zwei Seitentürmen

angebracht. Sie bildeten ein riesiges Westwerk, das das Gotteshaus von der westlichen Seite

umschloss. In Innern des Südturm wurde der ursprüngliche Fußboden gefunden (verbunden

mit dem Eingang, mit Hilfe einer Leiter, um den oberen Stock des Gebäudes zu erreichen).

Die rissige Gebäudeschwelle aus Sandstein, in der Größe von: (200)176x41cm, war sehr stark

beschädigt.

 

 

 

Es sind Spuren einer Feuerstelle (mit Hilfe von einem Handbohrer) gefunden worden.

Durch Erzeugung von Reibung konnte man Temperaturen erreichen, die es ermöglichten,

leicht entzündbares Material zu entflammen (z.B. getrocknetes Moos, Gras oder getrockneter

Zunderpilz). So ein Feuer nannte man „heilig”, „lebendig”, „neu” oder „göttlich“.

Es wurde auch an Feiertagen angezündet: Dreikönigstag, Ostern, l. Jan.

Das Feuer hatte als Ziel, die Menschen vor bösen Mächten und Krankheiten zu schützen.

Es diente zur Durchführung verschiedener symbolischer und magischer Rituale.

 

Relikte des nächsten Gotteshauses wurden in Tiefe von 200cm unter dem Zementfußboden

aus dem 20. Jh. gefunden. Bis jetzt hat man nur zwei Stufen der Treppen (keramisch und aus

Steinplatten gebaut) entdeckt, die zu der spätromanischen in dem ersten oder zweiten Viertel

gebauten Kirche, gehörten. Während des Kirchenbaus aus dem 14. Jh. hat man meistens die

Teile der Kirche abgerissen, die sich in den oberen Teilen des Portals und Eingangs befunden

haben. In dem Schutthaufen, der die beiden Gebäude bedeckt hat, hat man zahlreiche,

bewegliche Fragmente, die aus verschiedenen Zeiten und Bauphasen der Nutzung, Zerstörung

und Anlagewiederbau, ausgegraben.

 

 

 

Es sind Fragmente der Töpferkeramik – die spätmittelalterliche (14-15 Jh.), die neuzeitliche

(16-18 Jh.) und die gegenwärtige Keramik (19-20 Jh.), Fragmente und Steinornamente aus

Sandstein und Granit, lockere Steine mit Kalkmörtel, beschädigte Elemente der Baukeramik –

Fußbodenplatten, verschiedene Arten Ziegelsteine, Reduzierstücke, Dachziegelsteine (Mönch,

Nonne und Biberschwanzziegel), sandsteinartige Skulpturen, kleine Blöcke des historischen

und verputzten Mörtels (auch gefärbt), Reste gefärbter Glasfenster, Nägel, Haken, Spangen,

Türangeln, Kupferblech (stammt aus dem Turmdach?), Fragmente gläserner Gefäße,

menschliche und tierische Knochen, Kohl und Brandgeruchspuren.

 

In den unteren Teilen des Schutthaufens hat man letztens Reste des eingestürzten,

wahrscheinlich frühgotischen Gewölbes der Vorhalle (oder des Turms) entdeckt.

 

Die Arbeiten werden fortgesetzt.

 

Dr. Jarosław Lewczuk.